Ransomware-Angriff: Was Sie in den ersten 60 Minuten tun müssen
Sie kommen morgens ins Büro und alle Bildschirme zeigen die gleiche Meldung: Ihre Dateien wurden verschlüsselt, Sie sollen Bitcoin zahlen. Ransomware ist die gefährlichste Bedrohung für Berliner KMU — und die ersten 60 Minuten nach dem Angriff entscheiden darüber, ob Ihr Unternehmen diesen überlebt oder nicht. Hier ist, was zu tun ist.
Sofortmaßnahmen: Die ersten 15 Minuten
Jede Minute zählt — aber Panik ist Ihr größter Feind. Folgen Sie diesem Plan:
- Netzwerk sofort trennen: Ziehen Sie alle Netzwerkkabel, deaktivieren Sie WLAN auf allen Rechnern. Das stoppt die Ausbreitung der Ransomware auf weitere Systeme.
- NICHT ausschalten: Schalten Sie betroffene Geräte nicht aus — im Arbeitsspeicher können sich für die Forensik wichtige Informationen befinden.
- Nicht zahlen: Das Zahlen des Lösegelds garantiert nicht die Rückgabe Ihrer Daten und finanziert weitere Angriffe. In vielen Fällen erhalten Opfer auch nach Zahlung keinen Schlüssel.
- Alle Mitarbeiter informieren: Niemand soll weitere Systeme einschalten oder mit dem Netzwerk verbinden. Kommunizieren Sie über Mobiltelefone.
- IT-Dienstleister sofort anrufen: Wenn Sie einen Wartungsvertrag haben, ist das die erste Nummer, die Sie wählen.
Die nächsten 45 Minuten: Dokumentation und Behörden
Nach der ersten Eindämmung beginnt die Dokumentation — für die Strafverfolgung, die Versicherung und die DSGVO-Meldepflicht:
- Screenshots der Lösegeld-Forderung auf einem separaten Gerät fotografieren.
- Polizei benachrichtigen: In Berlin ist das LKA Berlin (Dezernat für Cybercrime) zuständig. Eine Anzeige ist wichtig für Versicherungsansprüche und statistische Erfassung.
- BSI informieren: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat eine Hotline für Cyber-Angriffe: 0800 274 1000.
- DSGVO-Meldepflicht prüfen: Wenn personenbezogene Daten betroffen sind, müssen Sie innerhalb von 72 Stunden die Berliner Datenschutzbehörde benachrichtigen.
- Backups prüfen: Sind die Backups unbeschädigt? Waren sie zum Zeitpunkt des Angriffs vom Netz getrennt?
Warum Vorbereitung alles entscheidet
Unternehmen, die einen Ransomware-Angriff ohne nennenswerten Schaden überstehen, haben eines gemeinsam: Sie haben sich vorbereitet. Ein getestetes Backup-System, ein dokumentierter Notfallplan, Mitarbeiter die wissen was zu tun ist — das sind keine Luxusmaßnahmen, sondern Grundvoraussetzungen. Der Angriff selbst dauert oft nur Stunden, aber die Wiederherstellung ohne Vorbereitung kann Wochen dauern und ein Unternehmen in die Insolvenz treiben.
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